~ Geborgenheitsräume ~

 

 





































 

 Fortsetzung...

Geborgenheitsräume

Als sie zurück sind bei den anderen, meint Hannes laut freudestrahlend: ‚Anton will uns die Geschichte von Olaf erzählen!‘ ‚Oh, die Geschichte der Geborgenheitsräume‘, ist Lisa sichtlich berührt und Anton setzt sich neben sie und hält ihre Hand. Sie legt ihre andere Hand auf seine und lässt sie dort verweilen. Diese Geste berührt den Schöpfer zutiefst und er schaut die Schöpferin liebevoll an. Diese lächelt ihn warm an und nimmt seine Hand. Sie stehen auf der Wiese vor der kleinen Terrasse von Anton und Lisa. ‚Die Geborgenheitsräume?‘, will Rosa genauer wissen. ‚Ja, Rosa, du wirst es nach der Geschichte verstehen‘, antwortet Lisa sanft. ‚Hm, okay‘, antwortet Rosa mit warmer Stimme, da Lisa ihre Gesichtszüge und das Lächeln nicht sehen kann. ‚Wo fange ich an‘, überlegt Anton. ‚Am besten dort, wo es anfing, mein Lieber‘, erinnert Lisa ihn. ‚Hm, okay‘, lächelt er in sich hinein. ‚Wir haben uns später erst kennen und lieben gelernt, meine Lisa und ich‘, beginnt er und schaut seine Frau liebevoll an. ‚Ich hatte meine Herausforderungen hinter mir mit Beziehungen. Lisa ihre, nur auf eine andere Art und Weise. Wir wollten einen Neuanfang, mutig, offen und unbeschwert sind wir gemeinsam in unseren gemeinsamen Weg gestartet. Doch wir haben gespürt, wir sind in der Stadt nicht glücklich, es fehlte irgendwas. Als das Angebot kam dieses Haus zu beziehen als Wachposition auf dieser Seite der Insel, habe ich Lisa gefragt, ob sie dazu bereit wäre. Natürlich hat sie nicht lange damit gehadert, sie hat auf ihr Herz gehört und das gab ihr zu verstehen, dort wartet etwas tief Wertvolles auf uns. Sie hat es nicht gleich geteilt, war noch zu unsicher ob es zwischen uns Raum finden konnte ihr intuitives Weg erspüren. Wir packten freudig und waren voller Energie. Ich fühlte mich so wohl mit ihr und mir klar, ich werde mit ihr meinen weiteren Lebensweg gehen. Da gab es keine Zweifel. Als wir hier ankamen, waren wir erst mit sehr viel Auspacken und das Haus für uns passend einzurichten beschäftigt. Doch nachdem alles getan war, entstand ein Raum zwischen uns, oder besser ein Raum entfaltete sich, der mich noch ganz schön fordern sollte‘, pausiert er und grinst verschmitzt. Der Schöpfer spürt die Resonanz was kommen könnte und drückt die Hand der Schöpferin etwas fester. Auch die Piratin kann erahnen was den beiden bevorstand und sie schaut den Fährtenleser an. ‚Ja, was soll ich sagen, das Haus war fertig, und nun war da Raum. Viel Raum, weiter Raum, tiefer Raum….und ich wusste damit nichts anzufangen, es überforderte mich zutiefst. Natürlich wollte ich mir das nicht anmerken lassen und suchte in der Natur Wege. Ich bezeichnete es als Erkundungstour, dabei bin ich im Prinzip vor dem Raum weggelaufen‘, pausiert er erneut. Hannes schaut ihn fragend an, was hat das mit Olaf zu tun, doch er ist still. Anton merkt seinen fragenden Blick. ‚Auf meinen Fluchttouren habe ich Olaf gefunden‘, erlöst er Hannes und dieser ist wieder ganz Ohr. ‚Er war verletzt, hatte ein Flügel gebrochen, natürlich habe ich ihn mitgenommen und gepflegt. Das gab mir Ablenkung, um mich nicht weiter mit diesem Raumangebot zwischen uns zu beschäftigen. Lisa hat es gespürt, dass es mich sehr überfordert und mir meinen Raum gelassen. Sie war einfach da, und die ruhige Freude, wenn ich zurückkam, beständig da. Kein Vorwurf und keine Anschuldigungen. Nun das ist eine andere Geschichte, doch zurück zu Olaf. Wir erschufen für Olaf einen Heilungsraum, wir sorgten beide für ihn und er gewöhnte sich schnell an uns. Seine Achtstellung wurde schnell ein Vertrauen, als er merkte wir helfen ihm. Mit der Zeit wurde er kräftiger und der Flügel geheilt. Wir spürten beide, wir müssen ihn zurückbringen, wo er herkam. Es fiel mir schwer, denn unbewusst wusste ich, dann gab es keinen Grund mehr vor diesem Raum zu flüchten. Die gemeinsame Fürsorge für Olaf hat auch was in mir berührt. So scheu dieser Vogel anfangs war, so scheu war meine eigene menschliche Tiefe auch oder besser, das was darin tief geborgen geschützt war. Olaf half mir die Angst davor zu verlieren und Lisa hat wohl bewusst für uns beide diesen geborgenen Raum erschaffen‘, lächelt Anton und legt seine freie Hand auf ihre Hand. Lisa lächelt nur still und sichtlich im Frieden wie alles war und ist. ‚Naja, es war Zeit Olaf wieder auszuwildern, ich brachte ihn zurück, wo ich ihn gefunden hatte, war mir jedoch unsicher, ob er es allein schafft. Ich beobachte ihn eine Weile, doch so allein, kann er da ja nicht überleben. Also nahm ich ihn wieder mit und am nächsten Tag suchten wir eine andere Stelle, wo vielleicht seine Artgenossen lebten. Schließlich musste das irgendwo hier sein. Mehrere Tage lebten wir dieses hin und her seine Kolonie zu suchen. Lisa sagte nicht viel dazu, sie ließ mich machen und jedes Mal, wenn ich heimkam mit Olaf wurde etwas ruhiger in mir. Dieses Fluchtverhalten wurde weniger, nun, da ich wusste ich kann heimkommen, wenn ich Raum für mich brauche und es wird mir nicht zum Vorwurf gemacht. Olaf ging es sichtlich gut mit den Ausflügen und dem zurückkommen zu uns. Ich gewöhnte mich sehr an das Tier, bis Lisa zum ersten Mal was sagte, sie meinte, dass mir bewusst ist, dass er bald seinen eigenen Weg gehen wird. Ich wollte das nicht hören und schnappte mir Olaf und ging in die Richtung von der wir heute kamen‘, lächelt Anton verschmitzt. ‚Ich wusste ihre Anmerkung war stimmig, doch weglaufen vor mir selbst war so einfach, also lief ich zügig auf den Hügel mit Olaf im Schlepptau, der mal fliegend folgt, mal durch die Dünen watschelte. Ich war ganz in mir versunken, bekämpfen von aufkommenden Gefühlen ihn gehen zu lassen, dass ich erst oben auf dem Hügel verstand, was vor mir war. Eine Kolonie von Pelikanen, seine Kolonie. Sein Blöken rüttelte mich wach und in mir war eine Klarheit: es ist Zeit Abschied zu nehmen. Er wartete auch nicht lange und eilte auf die anderen Vögel zu. Es begann ein Geschnatter und Geblöke und er wurde freudig empfangen. Es wurde mir ganz warm ums Herz, so ein warmer Empfang. Mir kam Lisa in den Sinn, warum laufe ich vor unserem Raum weg? Diese Frage stand schmerzhaft präsent in mir und ich atmete tief aus, schaute den Vögeln noch etwas zu und ging dann zurück zum Haus. Bei Lisa angekommen, erzählte ich ihr, was ich die ganze Zeit gelebt hatte, und Olaf eine willkommene Ablenkung war. Sie lächelte mich sanft an, legte ihre Hand auf mein Herz und sagte liebevoll warm es sei okay. So begann meine Reise tiefer in unseren gemeinsamen Geborgenheitsraum, den nur wenige Paare überhaupt betreten und dafür bin ich sehr dankbar. Doch Olaf war weiterhin mein Zufluchtsort, wenn ich mit mir klarkommen musste. Ich saß oft und lange auf dem Hügel und beobachtete die Vögel. Olaf kam ab und zu her und begrüßte mich, doch spielen mit seinen Kameraden war einfach spannender. Sie sorgten für viele freudvolle Momente des Beobachtens und ich merkte dieses meditative Sein im Moment veränderte gleichzeitig diese Themen in mir, einfach von allein, ich saß da, war da und Lösungen kam von allein, Schmerzen integrierten sich von selbst und ich verstand, dieser Raum kann ich auch mit Lisa leben. Ich erzählte ihr von meiner Erfahrung und sie lächelte still wissend, doch ich spürte ihre ruhige Freude wurde ganz weit. Meine Resonanz war eindeutig. Ich nahm sie das nächste Mal mit auf den Hügel und wir verbrachten Zeit nebeneinander bis in mir die Wellen sich wieder gelegt hatten, sie war einfach da, ab und zu nahm sie meine Hand oder berührte mich am Arm, so dass ich sie ansehe und ich sah jedes Mal diese Ermutigung in ihren Augen, sie ist da, sie bleibt und das, was in mir sich bewegt hat seine Zeit. Irgendwann kam Olaf auf uns zu, wir wussten sie werden bald weiterziehen. Er kam zu jedem von uns, ließ sich über sein Gefieder streichen und dann ging er zurück zu seiner Kolonie. Viele Jahre war ich schauen, doch die Kolonie kam nicht zurück. Bis heute‘, beendet er seine Geschichte. ‚Wow!‘, ist Hannes tief berührt und als er wirklich versteht, was da heute passiert ist fasst er es in seinen Worten zusammen: ‚Und heute hast du ihn mit seiner Familie das erste Mal wieder seit vielen Jahren gesehen?‘ Das Staunen wird weiter und weiter. ‚Ja, Hannes, so ist es‘, ist Anton sichtlich erfüllt und glücklich. ‚Danke für die Geschichte, was ein besonderer Tag‘, ist Hannes tief ergriffen. ‚Danke für die Geschichte‘, hören sie Ida sagen. ‚Gerne‘, antwortet Anton. ‚Geborgenheitsräume‘, wiederholt Leo. ‚Das geht in die Resonanz?‘, will Udin wissen, er kennt Leo schon sehr lange. ‚Ja‘, lacht dieser freudvoll weit. ‚Und der Weg dahin ist so fordernd, doch es lohnt sich‘, grinst er sichtlich stolz, dass er sie gemeistert hat, zusammen mit Annabel. Die Piratin seufzt tief aus, sie spürt ihren Körper tief in die Resonanz gehen, sie kann Anton sehr gut verstehen. Der Fährtenleser lächelt sie wissend an und umarmt sie, ihr Geborgenheitsraum hat es auch geschafft. Dieses sich langsam zeigende meditative gemeinsame Raumsein ist einfach zu guttuend, um es nicht zu wagen, ein Körper hat da so seine eigenen Wege. ‚Ja die Zeit war fordernd, doch ich wusste er schafft es, die Natur hat ihn gehalten, bis er bereit war sich von unserem gemeinsamen Raum begleiten zu lassen‘, ergänzt Lisa. ‚Und dafür bin ich dir unendlich dankbar‘, gibt Anton ihr ein Kuss. Ihr warmes weiches Lächeln lässt erahnen welchen tiefen geborgenen Raum sie mit den Jahren entfalten gelassen haben. ‚Es wächst von selbst, wenn die Bereitschaft dazu da ist‘, sagt Lisa noch, denn sie spürt diese jungen Paare sind auf dem Weg. ‚Danke für euer Vertrauen‘, bedankt sich Nilson. ‚Es wird Zeit, wir müssen bald zurück‘, spricht er die Realität aus. ‚Ja, es ist besser vor der Dunkelheit zurück zu sein‘, bestätigt Anton.  Sie packen alles zusammen, helfen Lisa noch nach drinnen, verabschieden sich einer nach dem anderen von Lisa. Als letztes sind der Schöpfer und die Schöpferin übrig. Die anderen sind schon die Pferde satteln und bepacken. ‚Meine Lieben, kommt bald nochmal, ja? Und bringt eure Gefährten und Gefährtinnen mit‘, bittet Lisa. ‚Sehr gerne, wir werden es bald tun‘, antwortet die Schöpferin. Als sie die Tür fast raus sind, hören sie Lisa noch rufen: ‚Und vertraut eurem gemeinsamem meditativem Raumseins.‘ ‚Danke Lisa, das werden wir‘, antwortet der Schöpfer und die Schöpferin lächelt ihn liebevoll an. Meditatives Raumsein, der Raum, der von der Zuhausestille getragen ist und alles Dasein lässt was ist, bis es sich von selbst wandeln möchte. Die beiden laufen ums Haus, doch bevor sie ganz zu den anderen gehen, hält der Schöpfer die Schöpferin an und lächelt sie warm an. In seinen Augen kann sie etwas erkennen, dass sie schmunzeln lässt. Ihr meditativer Raum hat ein tieferes Ja erhalten. Sie lächelt ihn sanft liebevoll an und nickt ihm zu. Ihr Geborgenheitsraum möchte neue Facetten entfalten und er ist innerlich freudig interessiert, was es sein wird. ‚Komm‘, nimmt sie seine Hand, da er etwas versunken wirkt und zieht ihn mit zu den anderen. ‚Wir sind bereit, reiten wir los!‘, verkündet Nilson als alle auf den Pferden sitzen. ‚Den kurzen Weg oder den langen?‘, stellt er in den Raum der Gruppe. ‚Wenn du schon so fragst, dann den Langen, oder hat jemand was dagegen‘, übernimmt Udin das Antworten. Es kommt kein Veto der Gruppe, also gesellt sie Udin zu Nilson und die beiden Könige führen. Ein Schmunzeln erscheint auf dem Gesicht der Schöpferin und der Schöpfer spricht aus, was ihr durchs sein huscht: ‚Einmal in der Führung bleibt.‘ Sie lacht los und er macht ihr ein Petzauge. ‚Werden wir auch mal so?‘, fragt sie dann. ‚Sehen wir, dann, oder?‘, lässt er es offen, denn er weiss es nicht. 

 

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Chanin - Sanctuary

  

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