~ Phase der Formlosigkeit ~
Phase der Formlosigkeit
Die Forscherin und der gute Freund sind auch in ihr Zimmer. ‚Was ein Tag‘, seufzt die Forscherin. ‚Ja, er ging so tief‘, bestätigt der gute Freund. ‚Was würdevolle und liebevolle Seelenräume für Kraft haben‘, teilt sie. ‚Hm, du meinst den Raum von Anton und Lisa?‘, fragt er noch, da heute so viele Räume präsent waren. ‚Ja, den auch‘, schaut sie ihn fragend an und lacht, weil sie es ebenfalls erkannt hat: ‚Es waren sehr viele Räume heute präsent, doch ihre Grundbasis ist würdevolle Achtsamkeit und gegenseitiges wohlwollendes Achten gewesen.‘ ‚Hm, interessant, würdevolles Achten, da geht bei mir was in die Resonanz‘, spürt er. ‚Würdevolles Achten‘, wiederholt sie und verzieht das Gesicht. ‚Schmerz?‘ Ist eine erste intuitive Antwort. ‚Ja‘, verzerrt sie noch mehr das Gesicht, wie eine Wucht überrollt es die Forscherin. ‚Wow!‘, ist das Einzige, was sie sagen kann mehr nicht. Sie fühlt sich in sich gefangen, da ist so viel Schmerz, keine Weitsicht mehr, ein Gefühl von Form- und Orientierungslosigkeit. ‚Hey!‘, kommt er auf sie zu. Er spürt wie sie komplett dicht macht und er kann nichts machen. Einen kurzen Moment fängt er an zu wanken, es trifft ihn wie ein Schlag wie schnell das gehen kann, wo er die Forscherin doch so, in sich kraftvoll, bisher erfahren hat. Er kämpft in seiner Kraft zu bleiben, so eine Wucht hat es in ihr, dass er in der Resonanz deutlich präsent hat. ‚Was brauchst du?‘, will er wissen, obwohl er weiss, sie kann es ihm nicht sagen. Es war ein etwas unbeholfener Versuch irgendwie dazusein. Der Schmerz in seinem Körper gibt ihm zu verstehen, alles, was jetzt zusätzlich in die Verletzlichkeit pusht, wäre in diesem Zustand keine gute Idee. Sie braucht Sicherheit, die sie in sich gerade versucht irgendwie wieder zu finden. Er atmet tief aus, schließt kurz die Augen spürt, wie sein Körper mobilisiert, sein Schutz fährt hoch und es überrollt auch ihn. Jetzt bleibt nur noch darauf vertrauen ihre beide Körper finden den Weg. Die Forscherin zeigt an, sie braucht Raum für sich und zieht ihre Schuhe wieder an. ‚Ich bin da‘, sagt er, als sie ihn nochmal kurz ansieht. Sie nickt, doch er spürt ihr Körper kann es gerade nicht annehmen. Er bleibt zurück und es fühlt sich schmerzhaft nach liebevollem Scheitern an. ‚Und jetzt?‘, sagt er zu sich selbst. Er beschließt sich aufs Bett zu legen, das braucht für ihn selbst Raum. Er braucht für sich eine Richtung, denn in ihm hat sich eine Formlosigkeit ausgebreitet. Entlastung. Tief durchatmend verweilt er in diesem Status von nichts brauchen, wollen, sein. Es erschafft ihm Raum das zu finden, was es braucht. Was ist ihm wichtig? Was möchte er wirklich leben? Warum möchte sie es allein machen? Hat er sie getriggert? Er erinnert sich an die Formlosigkeit. Und sein Körper beginnt zu weiten, langsam wird es innerlich ruhiger und eine Klarheit beginnt Raum zu bekommen. Würdevolles Achten, ja das kann viel mit sich bringen. Wird das mehrheitlich gelebt? Wohl eher nicht, ihre Räume sind darauf basierend, doch das gesellschaftliche Leben eher nicht. Er kann nur erahnen, was da in die Präsenz kam, und er beschließt sich die Schuhe anzuziehen und sie zu suchen. Seine Wahl steht, die Formlosigkeit hat eine klare Richtung präsentiert und er folgt einfach. Kein Hinterfragen, kein Zweifel, er hat noch genug Kapazität und Kraft, seine Würde würde auch keine Ruhe geben. Er kann und will sie damit nicht allein lassen. Er weiss, sie will ihn schützen, und sie schützt sich selbst in ihrer Verletzlichkeit. Was braucht ein Mensch dann? Seine Intuition lässt nicht lange auf sich warten mit einer Antwort: klare, in genügender innerer Sicherheit ruhende körperliche Präsenz. Dasein real und bewusst freiwillig gewählt. Seine Schritte sind zügig und er hat auch schon eine Idee, wo er sie finden wird. Zum Glück sieht ihn keiner, als er das Schloss verlässt, er wäre eventuell etwas unfreundlich gewesen in seinem klaren fokussieren. Phasenweise erhöht er sein Tempo beim Laufen, er erreicht den Wald, nimmt den Weg direkt zum Felsen am Wasserfall und erreicht ihn schneller als erwartet. Sie sitzt oben, er kann sie schemenhaft erkennen. Aranda fliegt über ihr und bewacht sie. Eine Wärme durchströmt ihn, und eine liebevolle Fürsorge warten gelebt zu werden. Um sie nicht ganz zu erschrecken wollte er ihr zurufen, doch Aranda erledigt das schon für ihn und die Forscherin dreht sich um. Als sich ihre Blicke treffen, spürt sie eine erste Welle Erleichterung, ohne es bewusst steuern zu können. Als er oben auf dem Felsen ist, dreht sie sich wieder um und schaut aufs Wasser. Wortlos setzt er sich hinter sie und umarmt sie leicht, nicht zu fest, er möchte ihr nicht das Gefühl gegeben einzuengen. Es dauert etwas, bis sie sich langsam nach hinten anlehnt und sein Dasein beginnt anzunehmen, langsam, ganz achtsam und er ist einfach nur sicher genügende in sich ruhende Präsenz, seine Kraft ist so klar ausgerichtet, dass es ihn selbst überrascht er kann das. Bisher hatte er es ja noch nicht benötigt und er ist für seinen Körper dankbar der ihm so einen backup gibt. Sie atmet tief aus und lässt ihren Körper dann ganz in seine geschenkte Sicherheit ergeben. Ihre zuvor so hohe Körperspannung weicht einem plötzlichen Weichsein das ihn etwas überrumpelt, da es so zügig kommt. Es ist eine angenehme wohltuende Stille zwischen ihnen. Sie rückt etwas näher zieht die Beine an und er umschließt ihre Knie, um ihr etwas mehr Halt zu geben. Wie lange sie so verweilt haben, wissen beide nicht, doch irgendwann atmet die Forscherin tief ein, beginnt sich langsam zu bewegen, er löst die Umarmung um ihre Knie und setzt sich etwas aufrechter hin, um ihr mehr Raum zu geben. Sie dreht sich direkt zu ihm und sagt einfach nur: ‚Danke.‘ Er nickt ihr zu und eine Erleichterung durchläuft seinen Körper sowie eine ruhige lebendige Freude, dass es richtig war seinem Impuls so kraftvoll gefolgt zu sein. Er weiss sie kann das allein, doch sie braucht es nicht allein zu machen. Manchmal braucht es andere Erfahrungen, damit ein Mensch lernt, es gibt noch andere Wege gemeinsam Menschseinzudürfen, wenn etwas zutiefst überrollt. Es wird seinen Sinn haben, was da eben in die Präsenz kam und sie wird es ihm mitteilen, wenn sie wieder fähig dazu ist. Langsam steht sie auf und streckt sich. Aranda macht sich bemerkbar und deutet an, sie möchte auf dem Arm der Forscherin landen. Als sie gelandet ist, schaut sie die Forscherin an und macht ein sanftes Huh huh. Der gute Freund ist zutiefst berührt, wie diese Eule so eine liebevolle Fürsorge ausdrücken kann. Es lässt eine Demut in seinem Körper entfalten und eine tiefe Dankbarkeit so etwas zu erleben und erfahren zu können. Die Forscherin streicht Aranda sanft über das Gefieder und die Eule schließt die Augen dabei. Es beginnt zu dämmern und bald wird es hier sehr dunkel werden. Die Forscherin hebt ihren Arm, Aranda fliegt los und Richtung Heimat. Dann dreht sich die Forscherin um und geht auf den guten Freund zu, sie sagen nichts, es ist eine sanfte Geborgenheit zwischen ihnen, die keine Worte braucht. Sie umarmt ihn und sagt nochmal Danke. So verweilen sie etwas, bis ihr Körper nochmal tief weit ausatmet. ‚Diese Wucht war heftig‘, drückt er es in Worten aus. ‚Ja‘, hört er sie an seiner Brust sagen. ‚Einfach sein, langsam wieder weiter werden, unser Raum trägt‘, teilt er, um ihren Raum zu bestärken. ‚Danke für deine würdevolle Achtung meiner Verletzlichkeit und nicht noch eins oben drauf setzten, wo es mir schon so schlecht ging und ich nicht in meiner Kraft war‘, teilt sie offen. ‚Oh, wow!‘ ist er etwas erschüttert über diesen Satz. ‚Wer hat dich in deiner Verletzlichkeit noch tiefer reingedrückt?‘, will er wissen und er weiss, der Satz war vielleicht zu früh doch nun ist er ausgesprochen. Sie weiss erst nicht, was sie antworten soll und er bereut es etwas ihn ausgesprochen zu haben, doch intuitiv ist da auch, es hatte seine Zeit. ‚Es gab einige Momente und Erfahrungen‘, sagt sie nur. Ein Gänsehautschauer überläuft ihn und er kann nur erahnen was das für Schmerzen eben waren. ‚Wow‘, sagt er nur ganz sanft liebevoll und geht ein Stück auf sie zu und umarmt sie nochmal. Sie lässt es zu und er spürt, wie sie ganz annimmt. Ihr Schutz hat wieder die Waffen niedergelegt und er versteht, dieser Schutz wird zügig in die Präsenz kommen, ihre Würde wird sie schützen, besonders wenn ihre Verletzlichkeit so tief präsent ist, dass ihre hohe Tragfähigkeit teilweise nimmt. Und ein Staunen ist auch präsent, denn obwohl sie so tief gefordert war, hatte sie noch die Fähigkeit, wenn auch in einem Funktionsmodus sich den Ort zu suchen, den sie gebraucht hat. Was ist das für eine Tragfähigkeit, die ein Menschen entwickelt hat, das zu können, welche Erfahrungen braucht es, damit sowas seinen Weg findet in die Entfaltung. Seine Würde deutet ihm an, es waren keine schönen Erfahrungen und dieses würdevolle Achten bekommt eine andere Bedeutung. Die Forscherin hat ihm gezeigt und bewusst gemacht, wie wertvoll und wichtig das ist, besonders wenn ein vertrauensvoller Raum besteht. Es braucht würdevolle Achtung und das Wohlwollen für diesen anderen Menschen mit im Raum. ‚Danke für dein Vertrauen‘, sagt er und sie löst sich aus seiner Umarmung. ‚Hm, danke für deine würdevolle Achtung meiner Verletzlichkeit. Es war keine Absicht, es kam einfach‘, erklärt sie sich und er versteht, warum sie sich erklärt. ‚Spiele der Dualität‘, sagt er prompt und sie schaut ihn erstaunt an. ‚Ja!‘, sagt sie und schüttelt den Kopf. ‚Spiele der Dualität drücken tiefer in die Verletzlichkeit und manchen Menschen macht das sogar Spass dabei zuzusehen….‘, bricht es aus ihm heraus. Sie nickt nur, ein Kloss hat sich in ihrem Hals gebildet und sie versucht die Tränen zu unterdrücken, doch er erkennt ihre Qualen und sagt: ‚Es darf sein und wow, kein Wunder es hat dich so überrollt.‘ Diese Worte berühren sie tiefer als sie erwartet und ihre Tränen fließen frei. Er hält sie in seinen Armen und etwas in ihm formt zunehmend stärker, er kann es nur noch nicht benennen. Als sie ruhiger wird und mehrmals tiefer ausatmet löst sie sich von ihm und schaut ihn mit roten verweinten Augen an. ‚Danke, ich weiss gar nicht was ich sagen soll‘, bekennt sie. ‚Nichts, gar nichts, einfach nur sein, auftanken, in deinem Tempo und Rhythmus wieder in deine Kraft finden, ich bin da, halte den Raum, meine Kraft ist da‘, lädt er sie ein. ‚Danke‘, sagt sie erneut und er spürt sie versucht das, was gerade passiert ist anzunehmen, doch ihr Körper ist noch zu sehr verletzlich. ‚Komm‘, nimmt er ihre Hand und sie klettern langsam den Felsen runter. Auf dem Rückweg wählen sie erneut den Weg, der direkt zum Felsen führt und nicht am Haus ihrer Eltern vorbeigeht. Auf dem Schloss ist sie plötzlich sehr müde. ‚Ich kann heute nicht am Essen teilnehmen‘, sagt sie sichtlich erschöpft.
‚Ich weiss, ich hole was aus der Küche und sage den anderen Bescheid. Möchtest du allein sein?‘, fragt er. ‚Ich würde mich freuen, wenn du bleibst, du kannst allerdings auch nach unten gehen, wenn du möchtest. Es steht dir frei‘, sagt sie. ‚Gut, ich hole für uns beide was und sage dem Schöpfer Bescheid‘, antwortet er und geht aus dem Zimmer. Die Forscherin legt sich aufs Bett und lässt ihren Körper einfach nur ankommen, in ihrer eigenen inneren Kraft. Mehr braucht es heute nicht mehr.
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